aus dem reichen Arbeitsleben eines barocken Gartenputtos
Schlossmuseum Molsdorf  16.06. – 17.10.2021

 

Erstmals wurde der barocke Molsdorfer Schlossgarten im Rahmen einer Ausstellung mittels historischer (Bild-) Quellen anschaulich dar- und in den zeitgeschichtlichen bis gegenwärtigen Kontext gestellt. Schloss Molsdorf unter Gustav Adolf von Gotter (1692-1762) erfuhr somit Beachtung wie Betrachtung aus eines bisher weniger eingenommenen Perspektive – von der “Gartenseite” aus.

Zahlreiche mit dem Thema der barocken Gartenkunst, aber auch mit dem Anwesen an sich verbundene Persönlichkeiten und Ereignisse wurden zu einer lebendigen und reich illustrierten, begehbaren Ausstellungs-Geschichte verwoben: so etwa der Besuch der jungen Queen Victoria, die im Anschluss ihrer Schlossbesichtigung im August 1845 “excellente” Molsdorfer Äpfel verkostete und davon in ihrem Tagebuch berichtete, oder das Pomologische Cabinet Sickler/Bertuch, dessen Wachsfrüchte der aus Molsdorf gebürtige Zuckerbäcker und Konditor Ernst Heinrich Gebhard (1757-1813) modellliert hatte.

Der Erzähler all dieser Anekdoten und Wissensvermittler rund um den Molsdorfer Schlossgarten war der ortseogene, etwas launige Gartenputto oder Genius der Gartenkunst (im Porträt um 1735 festgehalten vom Erfurter Maler Jacob Samuel Beck). Ab und an ließ er auch eine Kunsthistorikerin zu Wort kommen.  Da beide Pandemie-bedingt den Ausstellungsbesuchern nichts in’s Ohr flüstern durften, sind ihre Bemerkungen, Ausführungen und Kommentare in einem Gartenmagazin enthalten, das die Ausstellung begleitete und überdauert.

Dieses reich bebilderte Gartenmagazin dokumentiert in zahlreichen Aufnahmen u.a.  ein “Highlight” der Schau: einen “barocken Fernseher”. Das 3D-artige Papiertheater einer Gartenszene von ca. 1740 stammt vom Augsburger Kupfertstecher Martin Engelbrecht und seinem Verleger Jeremias Wachsmuth.

Fotos: Thomas Müller, Weimar

(c) Klassik Stiftung Weimar, Anna Amalia Bibliothek I Stadtmuseum Weimar I Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena I Verlag Die andere Bibliothek Berlin II Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten